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GASTSTARS

Baron Haussmann

Georges-Eugène Baron Haussmann (1809-1891) war nicht nur ein französischer Präfekt unter Napoleon III. Er war der Stadtplaner, der Paris ein neues Gesicht gab - und der es davor bewahrte, in seinem eigenen Dreck zu ersticken. 1853 wurde er von Napoleon III. zum Präf ekten ernannt und mit außergewöhnlichen Befugnissen ausgestattet, um die Hauptstadt nach den Visionen des Kaisers grundlegend umzugestalten. Die Stadt sollte modern und monumental werden - dafür mussten viele der engen Straßenzüge fallen und Zigtausende Menschen umgesiedelt werden. Nahezu alle Wohnhäuser der Cité, dem Herzen von Paris auf der Insel um Notre-Dame, wurden dem Erdboden gleichgemacht und durch Verwaltungsgebäude ersetzt. Das machte Haussmann bei der Bevölkerung nicht unbedingt beliebt. Außerdem warfen ihm die einfachen Leute vor, seine Straßenbaupolitik verfolge das Ziel, die Militärs der Regierung in einem Kampf gegen aufständische Bürger zu begünstigen. Enge, für Barrikaden strategisch günstige Gässchen wurden vielerorts beseitigt.
Haussmann ließ 12240 Häuser abreißen - und 61217 neue bauen. Seine Wohnungen waren allerdings der hohen Preise wegen für Arbeiter und kleine Angestellte nicht erschwinglich. Es blieb ihnen nur, mit ihren Familien in die billigen Vororte zu ziehen.
Die strengen Häuserfassaden mit ihren eisernen Balkongittern und den Mansardendächern aus Zinkblech gaben den nun breiten, geraden Straßen ein einheitliches Bild und wurden zum prägenden Baustil des Klassizismus auch in anderen europäischen Städten.
Unauffälliger, aber vielleicht sogar noch wichtiger war der Ausbau der Wasserleitungen und der Kanalisation, die vorher in einem Zustand wie im Mittelalter gewesen waren, wie Victor Hugo es anschaulich in seinem Roman Les Misérables beschreibt. Nach den Plänen von Haussmann wurden mehrere hundert Kilometer an Abwasserkanälen gebaut, einschließlich des Siphons unter der Seine hindurch, der das Schmutzwasser von links der Seine nach Norden in den großen Sammler führte.
Auch die großen Parks westlich und östlich der Stadt wurden von Haussmann neu gestaltet. Ebenso der Buttes-Chaumont, dessen bizarre Landschaft - die Überreste der gesprengten Gipshöhlen und der Sickergrube - zu nichts anderem mehr zu verwenden war, als sie in einen abenteuerlichen Park zu verwandeln.
Die riesigen Baumaßnahmen verschlangen Millionen. Die Kritik von politischen Gegnern wurde immer lauter. Obwohl der Kaiser bis zum Schluss viel von Haussmann und seinen Plänen hielt, ließ er ihn unter dem wachsenden politischen Druck 1870 fallen und entließ ihn. Nach dem Ende der Belagerung von 1871 besann sich die neue Republik wieder auf Haussmanns Pläne und führte viele davon weiter - oberirdisch und unterirdisch.

Jacques Offenbach - Der Vater der Pariser Operette

Der Komponist Jakob oder Jacques Offenbach (1819-1880) wurde in Köln geboren und kam 1833 als Cellist ans Konservatorium nach Paris. Seine Kompositionen begannen mit Walzern und Romanzen. Rossini nannte ihn den »Mozart der Champs-Élysées«.
Anlässlich der ersten Weltausstellung in Paris eröffnete er 1855 ein eigenes Theater - Die beiden Blinden, das erste Werk, das er für sein Haus schrieb, wurden vierhundertmal aufgeführt! Den großen Durchbruch hatte er drei Jahre später mit seiner Operette Orpheus in der Unterwelt, die schnell in ganz Europa populär wurde. Er erhielt das französische Bürgerrecht und wurde Ritter der Ehrenlegion. Bis 1870 folgten Werke wie Pariser Leben, Die schöne Helena, Die Großherzogin von Gerolstein und Ritter Blaubart. Er wurde in Paris gefeiert. In seinen Operetten fand das Lebensgefühl jener Zeit seinen Ausdruck. Sein Schlussgalopp im Orpheus machte den Cancan bühnenfähig. Die einen sahen in diesem Tanz die Pariser Lebensfreude, die anderen den Höhepunkt der Unmoral.
Mit der Operette schuf Offenbach eine neue Kunstform, der nichts heilig war, die die Götter- und Heroenwelt der Antike verspottete und dabei den Hof und die Gesellschaft aufs Korn nahm. Allerdings war seine Kunst kein Aufruf zum Umsturz, sondern drückte augenzwinkernd »Duldung auf Gegenseitigkeit« aus. Für die Opposition war das schlimmer als Zensur. Der politische Journalist und Schriftsteller Émile Zola schrieb erbost in seiner Besprechung der Schönen Helena: »Nie zuvor hat sich die dumme Farce mit solcher Schamlosigkeit zur Schau gestellt.« Dennoch trat die Operette ihren Siegeszug durch die vornehmen Kurorte und Städte Europas an. Ja, selbst in Salt Lake City, Stockholm, Kairo und Warschau wurden die Werke Offenbachs aufgeführt.
Die Vergnügungsbetriebe in Paris blühten. Das Theater sollte das Publikum unterhalten, nicht mit Problemen belasten, darin stimmte der Hof mit der bürgerlichen Gesellschaft überein.
Als 1870 der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland ausbrach, blieb das nicht ohne Folgen für Offenbach. Man mied ihn seiner deutschen Herkunft wegen, die französische Presse schmähte ihn als Bismarcks Spion. Nach dem Krieg eröffnete er zwar wieder ein Theater in Paris, konnte dort aber an seinen früheren Erfolg nicht anknüpfen. Er reiste nun viel nach Amerika und England. 1877 begann er sein letztes großes Werk - Hoffmanns Erzählungen -, das auch heute noch eine der meistgespielten französischen Opern ist.
Interessanterweise hat das, was wir heute unter einer Operette verstehen, kaum mehr etwas mit der ursprünglichen Form zu tun, die Offenbach schuf. Heute wird der Begriff von der »Wiener Operette« geprägt, die unpolitische Themen in leichte Musik umsetzt. Offenbachs Musik ist dramatisch und schwungvoll. Seine Handlung ist durchsetzt mit satirischen Anspielungen auf Ereignisse der Zeit, auf Sitten und Personen.

Erik aus Saint-Martin-de-Boscherville - Das Phantom der Oper

Hat es das Phantom der Oper nun gegeben oder nicht? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Fragt man in Paris in der Oper nach, bekommt man nur ein mitleidiges Lächeln - vermutlich auch deshalb, weil bei jeder Führung mindestens ein Besucher wissen will, wo denn nun die Loge Fünf des Phantoms sei. Nein, in der Oper glaubt man an diese Geschichte nicht.
Nimmt man allerdings Susan Kays biografischen Roman zur Hand, dann erscheint Erik plötzlich als reale Person. Kay verfolgt Eriks aufregendes Leben von seiner Geburt im Jahr 1831 in Saint-Martin-de-Boscherville bis zu der Phase, in der er zum Phantom der Oper wurde und zu seinem Tod in seinem Versteck unter der Oper. Sie beschreibt seine Missbildungen bei seiner Geburt so: Die ganze Schädeldecke lag offen unter einer dünnen, durchsichtigen Membran … Eingesunkene, ungleiche Augen, grob missgestaltete Lippen und ein schreckliches, gähnendes Loch, wo die Nase hätte sein sollen. Eine Vermutung, wie es zu dieser Missbildung kommt, stellt sie nicht an.
Kay erzählt von seiner Kindheit im Haus der Mutter, seiner Leidenszeit bei den Zigeunern, von denen er öffentlich zur Schau gestellt wurde, der Flucht, seiner Ausbildung zum Baumeister, der Reise nach Russland, dann seiner Bekanntschaft mit Nadar und der Zeit am Hof des Schahs von Persien. Erst dann kehrt Erik nach Frankreich zurück, sucht Garniers Bekanntschaft und ist der unsichtbare Künstler und Baumeister im Hintergrund, bis er sich aus Enttäuschung in die Unterwelt in den Fundamenten seiner Oper zurückzieht. Natürlich schließt der Roman mit der berühmten und tragischen Liebe des Phantoms zu Christine, die auch Grundlage für das Musical Das Phantom der Oper ist. Die Liebesgeschichte, auf die sich auch der ursprüngliche Roman von Gaston Leroux konzentriert, wirft allerdings viele Fragen auf, denen Susan Kay nachgegangen ist.
Kay beschreibt in ihren abschließenden Anmerkungen, wie sie im Laufe ihrer Recherche über das Phantom auf Details von Eriks Zeit in Russland gestoßen sei. Auch in Augenzeugenberichten über das Hofleben des Schahs im 19. Jahrhundert will sie Erik wiedergefunden haben.
Ich habe meinen Erik an die Charakterisierung von Susan Kay angelehnt, da sie ihn sehr facettenreich in seiner Entwicklung beschreibt und Pyras ja ein Jahr vor seiner Begegnung mit Christine spielt, die sich 1881 zugetragen haben soll.
Gab es diesen Mann also wirklich?
Ich kann es nicht beweisen, aber ich stelle es mir vor. Sicher sind seine Fähigkeiten und Talente im Laufe der Jahrzehnte übersteigert worden, an einen wahren Kern will ich jedoch gerne glauben.

Gaspard-Félix Tournachon - Der Fotograf Nadar

Nadar (1820-1910), wie er sich selbst nannte, war nicht nur der berühmteste Fotograf seiner Zeit, er war auch Schriftsteller, Zeichner und Pionier der Luftschifffahrt. Er studierte zuerst Medizin, dann arbeitete er als Journalist. 1854 eröffnete Nadar ein Atelier für fotografische Porträts in Paris. Er war ein einfallsreicher Selbstdarsteller, der mit seiner Experimentierfreudigkeit auffiel. Statt der damals üblichen Accessoires und gemalten Hintergrundbilder bei Porträtaufnahmen setzte er seine Modelle mittels Beleuchtung und den Gesten und Blicken der Abgelichteten in Szene. Von seinem Fesselballon aus machte er die ersten Luftaufnahmen von Paris. Seine Fotografien der Pariser Katakomben und der Kanalisation - bei denen er der langen Belichtungszeit wegen Puppen statt Menschen als Modelle nahm - machten ihn berühmt. Zu seinen Kunden zählten große Namen aus der Künstlerszene. Schriftsteller, Maler und Schauspieler ließen sich von ihm fotografieren; unter ihnen die berühmte Sarah Bernhardt.
Auch unter Malern hatte er viele Freunde. Um diese zu unterstützen, organisierte er 1874 in seinem Atelier die erste Ausstellung impressionistischer Malerei, bei der Gemälde von Claude Monet, Paul Cézanne, Edgar Degas und Camille Pissarro ausgestellt wurden.
Nadar war ein leidenschaftlicher Ballonfahrer und Konstrukteur. Er entwickelte ein Schraubenluftschiff und inspirierte damit Jules Vernes zu seinem Roman Fünf Wochen im Ballon. Er fotografierte auf seinen Fahrten und berichtete über sie in mehreren Veröffentlichungen. Mit seinem Riesenballon Le Géant fuhr er zusammen mit seiner Frau bis nach Hannover. Bei der Landung wurden allerdings beide schwer verletzt. Nadar ließ sich nicht entmutigen. Er war überzeugt, dass den schraubengetriebenen Luftschiffen die Zukunft gehört. Nadar wurde Präsident einer Gesellschaft zur Förderung der Konstruktion von Flugmaschinen, Jules Vernes war sein Sekretär.

Louis Pasteur - Ein Leben im Kampf gegen Krankheit und Tod

Der französische Wissenschaftler Louis Pasteur (1822-1895) war Chemiker, Biologe, Mediziner und ein Pionier auf dem Gebiet der Mikrobiologie. Nach Professuren in Dijon, Straßburg und Lille kam er 1857 nach Paris.
Pasteur machte sich den Kampf gegen Krankheiten und Tod zur Lebensaufgabe und zeigte erstmals, dass Mikroorganismen bei Fäulnis und Gärung die entscheidende Rolle spielen. Die Behauptung, Mikroben entstünden nur aus Mikroben, stand im Gegensatz zu der noch mittelalterlichen Vorstellung, dass unter bestimmten Bedingungen Lebendes aus Unbelebtem hervorgehen kann. Die mikroskopisch kleinen Lebewesen waren das Ende der Streitfrage um die »Urzeugung«. Außerdem erkannte er, dass diese Organismen - wie alle Lebewesen - hitzeempfindlich sind. Aus dieser Beobachtung entwickelte er das Verfahren, Lebensmittel durch kurzes Erhitzen auf 60° bis 70° C, was die darin enthaltenen Keime abtötet, länger haltbar zu machen. Noch heute nennt man dies Pasteurisierung.
Pasteur war überzeugt, dass auch viele Krankheiten durch Bakterien hervorgerufen werden. Er forschte an einer Immunisierung mit abgeschwächten Krankheitserregern. So entwickelte er Impfstoffe gegen die Geflügelcholera, den Milzbrand und die bis dahin stets tödlich verlaufende Tollwut.
Mit der Mikrobiologie schuf er die Grundlagen der Asepsis - der vollkommenen Keimfreiheit - und der Antisepsis-Maßnahmen zur Verminderung der infektiösen Keime - in der Chirurgie, denn er erkannte, dass auch Eiter und Wundbrand durch Mikroben hervorgerufen werden.

Édouard Alfred Martel - Begründer der Höhlenkunde

Der in Wien geborene Martel (1859-1938) gilt als der Begründer der modernen Höhlenkunde. Mit seinen Eltern bereiste er bereits in jungen Jahren Höhlen in den Pyrenäen und in den Alpen. 1888 begann er seine Karriere als Höhlenforscher. Bis 1893 besuchte und erforschte er 230 Höhlen und veröffentlichte mehrere Schriften. Seine Bücher über die Höhlenforschung wurden zu Bestsellern. Er organisierte Expeditionen in Irland und England und forschte für den österreichischen Kaiser auf Mallorca. In der Nähe von Porto Christo entdeckte er den bis dahin größten unterirdischen See. In Montenegro erkundete er den längsten unterirdischen Flusslauf im Karstgestein. Später wandte er sich dem Grand Canyon du Verdon zu. Wer möchte, kann sich heute auf seine Spuren begeben und auf dem 14 km langen Wanderweg »Sentier Martel« die Naturwunder der spektakulären Schlucht in den Provences Alpes Côte d’Azur erleben.
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